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Lord of Shadows - Review

Lord of Shadows The Dark Artifices 2 Cassandra Clare 699 pages McElderry Books So ...

Donnerstag, 27. Juli 2017

Stolz und Vorurteil - Rezension

Stolz und Vorurteil
Cover vom Bloggerportal
Jane Austen
605 Seiten, Taschenbuch
Penguin Verlag

Inhalt


Da Stolz und Vorurteil einer der bekanntesten Klassiker ist, muss ich kaum jeamdem mehr sagen, worum es in der Geschichte geht, aber hier trotzdem ein kleiner Überblick über die Geschehnisse.

Mrs. Bennet hat fünf Töchter und diese zu verheiraten ist ihr höchstes Ziel. Mit der Ankunft ihres neuen Nachbarn, dem jungen, reichen und äusserst sympathischen Mr. Bingley erhofft sie sich, die älteste Tochter Jane unter die Haube zu bringen. Doch mit Mr. Bingley kommt auch dessen Freund, der launische Mr. Darcy, und dieser scheint überall seinen Einfluss wirken zu lassen. Die zweitälteste Tochter Lizzy, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, beobachtet mit scharfem Blick die Geschehnisse, um sie herum und, öfter als ihr lieb ist,  begegnet sie dabei Mr. Darcy.

Meine Meinung zu diesem Buch


Stolz und Vorurteil erschien 1813, also vor 204 Jahren, das scheint eine unglaublich lange Zeit zu sein. Aber immer wieder überraschte mich, wie modern Stolz und Vorurteil ist. Vor allem Lizzy Bennet, die Protagonistin, denkt sehr ähnlich, wie es viele Frauen heute tun. Sie lässt sich nicht vorschreiben, wen sie heiraten soll und möchte lieber als alte Jungfer sterben, als jemanden zu heiraten, den sie nicht mag. Neben dieser Einstellung besticht sie durch eine Intelligenz und einen Scharfsinn, den man so manchen Leuten heute nur wünschen kann. Obwohl Stolz und Vorurteil zu einem grossen Teil eine Liebesgeschichte ist, kann man sie zu keiner Sekunde kitschig nennen. Auch das hat man grösstenteils Elizabeths unabhängiger Sicht zu verdanken. Es bleibt stets dem Leser vorbehalten, sich selbst ein Bild der Figuren zu machen. Genau wie Elizabeth selbst, analysieren wir auch, die Handlungen und Aussagen der anderen Personen und überdenken unsere Meinung von ihnen immer wieder.
Ähnlich wie Lizzy, ist auch ihr Vater ein kluger und überlegter Mensch.
Gleich zu Beginn, auf Seite 9, wird er sehr treffend beschrieben: „In Mr. Bennet vermischen sich Scharfsinn, beißender Witz, Verschlossenheit und Launenhaftigkeit, auf eine so merkwürdige Weise, daß seine Frau ihn auch nach dreiundzwanzig Jahren noch immer nicht richtig einzuschätzen vermochte.“
Diese Eigenschaften sind mir sehr sympathisch und gleichen Mrs. Bennets Hysterie angenehm aus.
Genau wie die Mutter, sind auch die jüngeren Töchter eher mühsam, ihr Verhalten kindisch und überheblich, aber Lizzys Gedanken zu ihnen, belustigten mich immer wieder.
„Stolz und Vorurteil“ ist ein perfektes Werk, mit einem ebenso perfekt gewählten Titel. Die Zweideutigkeit des Wortes „Stolz“ wird gegen Ende des Buchs noch einmal aufgegriffen (Seite 506, wo Elizabeth sagt, dass sie stolz auf Darcy ist) und beschreibt damit sehr einfach, die riesige Veränderung, die die Hauptfiguren Lizzy Bennet und Fitzwilliam Darcy im Laufe der Handlung durchmachen.
Auch beim zweiten Mal lesen habe ich mich in der Welt der Bennets und Darcys sehr wohlgefühlt und ich würde wirklich gerne Longbourn,  Netherfield und Pemberley mal sehen.

Der Penguin Verlag hat mir ein wunderschönes Rezensionsexemplar der Übersetzung von Andrea Ott zu Verfügung gestellt, wofür ich wirklich dankbar bin.

Joëlle

Montag, 17. Juli 2017

Wacholdersommer - Rezension


Cover vom cbt Verlag
Wacholdersommer
Antje Babendererde
316 Seiten, Taschenbuch
cbt Verlag

Inhalt

Kaye Kingley lebt im Südwesten der USA im Reservat der Navajo. Ihre Mutter Sophie war eine Navajo. Ihr Vater hingegen, ist ein Weisser. Kaye wächst auf mit ihrer Familie und ihrem Freund Will. Will und Kaye verbringen viel Zeit miteinander, bis Wills Vater, John, Will auf ein Internat schickt. Dort scheint er sehr unglücklich zu sein, und auf einmal muss er ins Gefängnis.
Kayes Leben hingegen geht weiter und fünf Jahre vergehen, bis Will plötzlich wieder vor ihr steht. Doch was hat Will so sehr verändert und kann er dem bösen indianischen Geist Kojote entkommen, der ihn zu verfolgen scheint?

 

Meine Meinung zu diesem Buch

Vielleicht muss ich vorab etwas klarstellen. Ich bin keine Ureinwohnerin Amerikas, ich habe kein Hintergrundwissen über ihre Kultur und kann deshalb deren Darstellung in diesem Buch nur sehr subjektiv beurteilen.
Aber jetzt zu meiner Meinung zu „Wacholdersommer“.
Schon früh merkt man, dass Will eine sehr undurchsichtige Person ist, die ein wenig düster und sehr reserviert wirkt. Im Laufe der Geschichte wird eine gewisse Reserviertheit auch als navajo, also als typisch für dieses Volk, bezeichnet.
Aber Wills Gefühle lassen sich sicher stark auf seine Zeit im Gefängnis zurückführen und mir gefiel, wie ein solches Erlebnis, als lebensverändernd dargestellt wurde.
Dieses schwierige Verhältnis zwischen Kaye und Will, der gerade erst zurückgekommen ist, macht einen grossen Teil der Spannung zu Beginn des Buches aus.

Kaye möchte man liebsten direkt wieder anknüpfen, an die Zeit, die sie früher mit Will verbracht hat und empfindet ihre Beziehung immer noch als sehr eng, Will hingegen versucht Abstand zu halten. Als Leserin war es für mich schwierig die Beziehung, die die beiden haben, zu begreifen, denn ein grosser Teil davon basiert auf einer gemeinsamen Vergangenheit. Am Anfang der Geschichte fehlt es aber an Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren.

Zum Zeitpunkt der Handlung ist Kaye 17 Jahre alt und Will etwas älter, Kaye hat sich, in meinen Augen, nicht immer ihrem Alter entsprechend verhalten. Oft wirkte sie sehr erwachsen und eigenständig, andererseits hat sie ihrem Vater die ganze Zeit gesagt, sie werde Will heiraten und Kinder mit ihm haben, auch zu einem Zeitpunkt, zu dem Will scheinbar nichts von ihr wissen wollte. Denn Will hatte ihr vor Jahren einmal versprochen sie zu heiraten, mit elf Jahren oder so.
Diese Kombination aus erstem Verhalten und auch sehr ernster, erwachsener Sprechweise (wahrscheinlich angehaucht von der Navajo Kultur) und einem eher kindlichen Festklammern an ihrem Kindheitsfreund Will, ergibt kein schlüssiges Bild.

Wie sich die Geschichte dann entwickelt und die Handlung ins Rollen kommt, fand ich sehr gut, mich interessiert das Reservat, als Handlungsort, auch sehr.
Antje Babendererde hat schon viele Bücher über Indianer geschrieben und ich denke sie kennt sich dementsprechend auch mit der Thematik aus. In „Wacholdersommer“ wurden viele Konflikte angesprochen, in denen sich die Indiander, insbesondere die Navajos, befinden. Etwa die unterschiedlichen Kulturen der weissen Amerikanern und der Ureinwohner, oder auch die Probleme, wie Alkohol-  und Drogenkonsum, die die Armut mit sich bringt.

Der Schreibstil war nicht schlecht, bei einigen Beschreibungen der Landschaft oder von Personen hat Antje Babendererde sich aber immer wieder wiederholt.

Wer Lust hat auf eine etwas andere Sommerlektüre, der soll gerne zu „Wacholdersommer“ greifen, ich habe es gerne gelesen und auf Goodreads 3 von 5 Sternen gegeben.

Ich habe dieses Buch von cbt Verlag erhalten, im Austausch für eine ehrliche Rezension. Vielen Dank an dieser Stelle dafür.

Ich habe jetzt noch zwei Punkte, die ich ansprechen möchte, sie spoilern aber die Romanhandlung ein wenig.

Bei vielen Jugendbüchern, in denen eine Figur mit psychischen Problemen zu kämpfen hat, werden „Love interests“ als Retter eingesetzt. Das vermittelt sehr falsche Ideen, denn nicht immer kann man eine Person mit Liebe retten oder heilen. Oft wird dabei auch eine dysfunktionale Beziehung romantisiert.
In „Wacholdersommer“ gab es sicherlich Potential für einen solchen Fehler. Auch wenn Will nicht im klassischen Sinne eine psychische Krankheit hatte, so war er doch vom Gefängnis und seiner Tat gezeichnet. Meiner Meinung nach, wurden diese Fehler hier aber nicht gemacht, denn Kaye klammert sich zwar stark an Will, sie ist aber trotzdem eine starke Frau und sagt ihm lautstark ihre Meinung. Auch gibt sie Will bloss die Möglichkeit dazu, mit ihr über seine Erlebnisse zu reden. Die eigentliche Heilung erlebt Will durch ein Heilritual.

Mein zweiter Punkt ist die Handlung in der zweiten Hälfte des Buches, die Kunstdiebe.
Wie schon angedeutet, ich bin keine Expertin, aber mir kam es sehr klischeehaft vor, dass zwei weisse, geldgierige Männer aufgetaucht sind, die dann Wandmalereien gestohlen haben und keine Skrupel hatten, dabei auch Menschen zu verletzen.
Nicht nur war dieser Teil eher irrelevant für die eigentliche Handlung, die Beziehung von Will und Kaye, sie wirkte auch sehr übertrieben.
Man hat auch gut gemerkt, dass Frau Babendererde diese beiden Handlungen nicht wirklich vereinen konnte, denn kaum hatten Kaye und Will die Anzeige aufgegeben, hatten sie nichts mehr mit den Ermittlungen zu tun und diese liefen problemlos ab. Abgesehen davon, dass am Ende alle Beteiligten tot waren, was auch eher unglaubwürdig war.

Joëlle

Freitag, 14. Juli 2017

Aufstieg und Fall des ausserordentlichen Simon Snow - Rezension



Aufstieg und Fall des ausserordentlichen Simon Snow

Cover vom dtv Verlag
Im englischen Original „Carry On“
Rainbow Rowell
Ca 505 Seiten, Hardcover
dtv

 

Inhalt (spoilerfrei)

In der renommierten Zauberschule Watford lernen junge Hexen und Zauberer aus den unterschiedlichsten Zauberfamilien Grossbritanniens die genaue Kunst der Magie.
Einer davon ist Simon Snow, auch bekannt als der Auserwählte, denn er ist der mächtigste Zauberer der Welt. Trotzdem kann er seine Ausbildung nicht wirklich geniessen, immer wieder schickt der Heimtückische Schatten dunkle Wesen, die ihn und die ganze Schule angreifen. Dabei geraten er und seine Freundinnen Penelope und Agatha öfters in grosse Schwierigkeiten. Doch der Schatten ist nicht die einzige Gefahr der sich Simon stellen muss. Die alten Familien begehren gegen den Magier, den Leiter der Zauberergemeinschaft und Simons Mentor, auf und wollen selbst wieder an die Macht kommen.
Dazu kommt, dass Simon sich seit Jahren ein Zimmer mit Tyrannius Basilton Pitch, einem snobistischen Nachkommen aus einer dieser alten Familien, dazu, so ist sich Simon sicher, ein Vampir, teilen muss.
An ein aussergewöhnliches Leben hat sich Simon also schon gewöhnt, als ihn dann Baz aber plötzlich um Hilfe bittet und die Angriffe des Schattens immer schlimmer werden, wird alles noch einmal verrückter.


Meine Meinung zu diesem Buch (spoilerfrei)

Beim Lesen von „Aufstieg und Fall des ausserordentlichen Simon Snow“ merkt man, dass Rainbow Rowell eine Contemporary Autorin ist. Dieses Buch ist zwar eigentlich dem Genre Fantasy zuzuordnen, es lebt aber ganz eindeutig von seinen Figuren. Rainbow Rowell ist unglaublich talentiert drin, Gefühle, und auch Freundschaft und Liebe (besonders auch Homosexualität), realistisch zu beschreiben und ihre Figuren wachsen einem sofort ans Herz. Auch die wichtigsten Wendungen in der Geschichte hat sie geschickt, um die Figuren herum, gewoben.
Mir gefällt diese Art von Buch sehr gut, auf der anderen Seite sucht man hier vergebens ausgeklügelte Fantasywelten und auch aus den ersten Jahren von Simons Ausbildung hört man wenig.
Wenn man eine Beschreibung dieses Buches hört, denkt man wohl sofort an Harry Potter. Die Welt und viele der Figuren ähneln tatsächlich denen, die J.K. Rowling geschaffen hat. „Aufstieg und Fall des ausserordentlichen Simon Snow“ ist, zumindest in meinen Augen, eine Homage an die klassischen Heldengeschichten, die wir kennen und lieben. Die „Auserwählten“, die gegen die „Bösen“ kämpfen müssen, dieses Schema greift Rainbow Rowell hier auch auf, sie bricht aber mit den Konventionen dieser Bücher. Man könnte es fast schon für eine Parodie halten, wenn man nicht die Liebe herauslesen könnte, die Frau Rowell für diese Geschichten und auch für Simon und seine Freunde hegt.
Für mich waren die ersten 150 Seiten zwar unterhaltsam, gepackt hat es mich aber erst danach, aber dann so richtig. Die Geschichte wird aus verschiedenen POVs (Point of Views) erzählt und dementsprechend sind die Kapitel meist auch sehr kurz. Solche kurzen Kapitel helfen meinem Lesefluss extrem und vor allem gegen Schluss hat sich dieser Effekt noch verstärkt.

„Aufstieg und Fall des ausserordentlichen Simon Snow“ ist nicht unbedingt für hardcore Fantasy Fans, die gerne von epischen Schlachten lesen, aber Lesern, die, wie ich, Geschichten mögen, die von ihren Figuren leben, kann ich  dieses Buch von Herzen empfehlen. Auf Goodreads habe ich 5 Sterne vergeben.


An dieser Stelle, danke ich dem dtv Verlag, der mir ein Rezensionsexemplar geschickt hat. Ich habe mich sehr gefreut, als ich es bei Vorablesen.de gewonnen habe.

Wer gerne noch ein bisschen mehr über Simon erfahren möchte, dem lege ich „Fangirl“ von Rainbow Rowell, ans Herzen. Dort geht es um Cath, die gerne Fanfiction über Simon und Baz schreibt.


Ein paar Gedanken zur Geschichte (Achtung Spoiler)

Ich glaube ich kann meine Gedanken  am besten ordnen, wenn ich auf die Personen eingehe.
Wir haben natürlich Simon Snow, den Auserwählten. Obwohl Simon die Hauptfigur ist habe im Laufe der Geschichte sehr wenig über ihn gelernt. Auf der anderen Seite ist das bei vielen Geschichten der Fall. Simon hat ein grosses Ehrgefühl und da er in Waisenhäusern aufwuchs, hängt er sehr an Watford und an seinen Freunden. Und Simon liebt Essen. Dazu kommt, dass man wenig bis gar nichts aus seiner Kindheit weiss. Simon lernen wir dadurch kennen, dass Baz unglaublich wichtig für ihn ist, anfangs weil er glaubt ihn zu hassen, später, weil er sich in ihn verliebt.
Simon ist ein wenig, wie sein Buch; er lebt von Gefühlen. Seine Freundschaft zu Penny ist richtig greifbar. Man fühlt, wie sie sich gegenseitig absolut vertrauen.

Das bringt mich auch schon zu Penny, oder Penelope Bunce, wie sie mit vollem Namen heisst. Penny ist einerseits klug und begabt, sie ist aber auch ein wenig ausgeflippt und ergänzt Simon perfekt. Und ich glaube auch, dass Simon sich glücklich schätzen kann, Penny zu besten Freundin zu haben.

Agathas und Simons Beziehung ist da ganz anders. Man fühlt sofort, dass die beiden mehr durch die Vergangenheit verbunden sind, als durch die Zukunft. Irgendwie hängt Simon an ihr, aber wohl hauptsächlich weil er, wie ich es oben beschrieben habe, eine beständige Zuflucht sucht, die ihm ihre Familie bieten kann, anders als die Waisenhäuser.
Obwohl ihre Beziehung von Anfang an schon sehr am Boden ist, sind die beiden doch ungewöhnlich ehrlich miteinander. Und das macht es für mich angenehm, darüber zu lesen. Oft wird dieses Szenario einer kaputten Beziehung in Geschichten verwendet, um Spannung aufzubauen, denn damit wird meist verhindert, dass der Held mit seiner wahren Liebe zusammen kommt, hier ist das nicht der Fall. Eine weiter Konvention die Rainbow Rowell bricht. Simon und Agatha bleiben auch nicht Freunde, denn das was ihre Beziehung zerbrechen liess, war dass sie komplett andere Einstellungen zum Leben haben.
Zum Schluss möchte ich nun zu meiner absoluten Lieblingsfigur kommen, Baz.
Baz ist unglaublich, er ist klug und sarkastisch, aber auch sehr ehrlich mit sich selbst. Lange Zeit wird er als böse dargestellt, wie es halt so gemacht wird, in Büchern. Aber immer mehr wird klar, dass keine Figur in diesem Buch wirklich gut oder böse ist und dieses Spiel mit der Verwirrung von diesen beiden Seiten macht dieses Buch so gut.
Baz und Simons Liebesgeschichte ist mit Abstand die beste, die ich dieses Jahr, vielleicht auch in meinem ganzen Leben, gelesen habe. Die Obsession, der beiden, für den jeweils anderen, die Streitereien, die dann zu Liebe und Zuneigung werden, sind wunderschön beschrieben und ich wünsche jedem Menschen einen eigenen Tyrannius Basilton Pitch.

Bild von meinem Instagram Profil @reading_joelle

Joëlle 


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